Zurzeit wächst Gras über die Brache.  Foto: Renate Hoyer

Frankfurter Rundschau am 24. August 2015

Von Sigrid Aldehoff

Am Odenwaldring entstehen ab Oktober 52 neue Wohnungen der Baugenossenschaft. Die Miete wird voraussichtlich bei rund zehn Euro pro Quadratmeter liegen.

Ungeachtet des trockenen Sommers sprießen auf dem seit Oktober brachliegenden Gelände an der Ecke Odenwaldring/Sprendlinger Landstraße munter Grashalme und Wildkräuter. Erst gestern wieder dämmte ein Trupp von Gärtnern den Wildwuchs ein. Doch auch wenn aktuell nichts darauf hinweist: Die Planung für die Neubebauung läuft, ab Oktober sollen laut Architekten Jörg Elm die Arbeiten beginnen.
52 Wohnungen entstehen dort, wo vor einem Jahr noch die prägnanten gelben Häuser der Baugenossenschaft Odenwaldring standen. „Vorher hatten wir 41 Winzlingswohnungen mit rund 50 Quadratmeter, jetzt bauen wir Wohnungen mit etwa 70 Quadratmetern auf der gleichen Grundfläche, aber mit mehr Stockwerken“, sagt Reinhard Abraham, einer der beiden Geschäftsführer der Baugenossenschaft Odenwaldring. Alle Wohnungen haben einen Balkon oder eine Terrasse in den ruhigeren rückwärtigen Gebäudeteil, der zum begrünten Innenhof geht. Dort wurde ein Teil des alten Baumbestandes erhalten.
„Nach hinten raus ist das ein ganz anderes Feeling als nach vorne zur Straße“, sagt Abraham. Weil das Projekt an einer der am meisten vom Verkehr umtosten Kreuzungen in Offenbach liegt, werden auch schallgeschützte Fenster eingebaut.

Die grüne Brache sieht Abraham gelassen: Der erste Entwurf aus dem Jahr 2014 sei erheblich geändert worden. Jetzt sind Fahrstühle enthalten, die Zufahrt zur mit Steckdose für E-Mobile ausgerüsteten Tiefgarage wird überbaut. Außerdem sind die Wohnungen weitgehend barrierefrei, im Erdgeschoss auch mit ebenerdigen Duschen. Eine Zertifizierung strebe die Baugenossenschaft nicht an. „Aber es hilft den Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, dass wir überall breitere Türen haben.“

Konkurrenz durch den derzeitigen Bauboom in Offenbach fürchtet der Geschäftsführer der Baugenossenschaft nicht. Offenbach expandiere derzeit und das große Angebot für Wohnungskäufer richte sich an ein anderes Klientel: Der Interessent, der im Hafen wohnen wolle, sei an einer Mietwohnung an der Sprendlinger Landstraße ohnehin nicht interessiert.

Erinnerungen an die alte Bebauung soll es auch künftig geben: So wird laut Abraham geprüft, ob die alte Grenzmauer erhalten werden kann, die zwischen dem Gelände der Baugenossenschaft Odenwaldring und dem einzelnen Grundstück der Baugenossenschaft Offenbach verläuft führt. Und auch die etliche hundert Kilo schweren Kinderskulpturen des Bildhauers Paul Seiler, die an den alten Häusern seit 1936 ausharrten, sollen an die alte Adresse zurückziehen.

Die früheren Häuser mussten abgerissen werden, weil die Fundamente nicht mehr stabil waren. Sie litten unter dem Untergrund, dem Rupelton, der viel Feuchtigkeit braucht, um das Volumen zu halten. Dies war aber mitten in der Stadt nicht mehr gegeben: Als die Häuser 1936 für ärmere Bürger gebaut wurden, war der Odenwaldring noch ein besserer Feldweg.